Annegret Chucholowski - Erinnerungen

Meine Gedanken zur Tagung in Erinnerung an den Mauerfall

Zum Zeitpunkt des Mauerfalls
Glückseligkeit, tiefe Dankbarkeit
und später
Betroffenheit über die Reaktionen von Bürgern aus Westdeutschland und Ostdeutschland

Mit den heutigen Fragen und Überlegungen:

  • War es die Angst vor Verlust des Bestehenden, des Sicherheit gebenden, des Bekannten,
  • War es die Angst vor Veränderung,
  • War es die Angst vor dem Neuen,

... die den inneren Widerstand (fehlende Anerkennung, Haltung) auf beiden Seiten zu Tage förderte?
... die nicht erlaubte das halbvolle Glas zu sehen?
... die uns in unserer alten Denke festhielt?

War es die natürliche Reaktion, die jedem von uns innewohnt, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert?
War es die Haltung manch „westdeutscher“ Bürger und Politiker, die ich meine beobachtet zu haben, wie:

  • Wir können und wissen es besser als ihr!
  • Lasst euch zeigen wie es geht!
  • Alles bei uns ist besser!

War es die Haltung von „Retten wollen“,
... die den Widerstand der „ostdeutschen“ Bürger hervorgerufen hat?

War es die Angst der „ostdeutschen“ Bürger, die Ideologie zu verraten, den Vater der Ideologie zu verraten, wenn sie sich voll und ganz auf die Wiedervereinigung einlassen? Ist der Widerstand damit zu erklären, dass die Loyalität weiter aufrecht erhalten bleiben soll der damaligen UdSSR gegenüber?

War es das Freund/Feind – Bild, dass jedem, sowohl auf ostdeutscher als auch auf westdeutscher Seite „eingehämmert“ wurde?

Alles Fragestellungen, Beobachtungen, die wir auch in der Systemaufstellung erleben zwischen Mann und Frau, einzelnen Familien, Kindern zu ihren Eltern, Eltern zu ihren Kindern, …
und der Erkenntnis für mich: Mein Beitrag ist, indem ich bei mir selbst beginne zu schauen:

  • Wo lasse ich Trennungen zu (Traumatisierungen) und bin nicht daran interessiert, die Vereinigung herbeizuführen aus Angst vor Schmerz, …?
  • Wo halte ich noch in einem Freund/Feind Bild fest?
  • Wo ist es praktisch an Altem festzuhalten?
  • Wo habe ich eine Haltung von: Ich weiß es besser! Ich will euch retten! ? • Wo erlaube ich meinen Kindern nicht, sich ihrer Bestimmung gemäß zu entwickeln, aus welchen Gründen auch immer?
  • Wo habe ich Angst vor Veränderung, Angst vor der Freiheit, Angst, Verantwortung zu übernehmen?
  • ...

Was existiert in jedem von uns an Prägungen, die uns so schwer in Bewegungen kommen lassen für tiefgreifende Veränderungen?

Tiefgreifende Veränderungen, mit denen es mir gelingen wird, das Paradies in mir und damit auf Erden zu erschaffen, ….

Trauer darüber,
verpasst zu haben,

auf Entdeckungsreise zu gehen und zu sehen, was es an wunderbaren Errungenschaften in der ehemaligen DDR gab, um diese für Gesamtdeutschland zu übernehmen, wie z.B. das rote und grüne Ampelmännchen, Müllsortierung, Rechtsabbiegerpfeil (der dann ja doch kam), …
So hätten sich die Bürger der ehemaligen DDR vielleicht angenommen und gesehen gefühlt und hätten Veränderungen, Ideen leichter zustimmen können.
Das alles sind Bewegungen, die wir auch in der Systemaufstellung und v.a. in der Organisationsaufstellung beobachten. Anerkennen was ist und was war und damit gehen!

Wut darüber,
dass nicht gesehen wurde und wird, was von westdeutscher Seite für die ehemalige DDR getan wurde – und dabei ist mir klar, dass ich generalisiere, denn ich bin davon überzeugt, dass es auch von vielen gesehen wurde, …
und aus systemaufstellerischer Sicht: Hat Westdeutschland zu viel gegeben und damit die Wut der Ostdeutschen provoziert, weil das Prinzip nicht bedacht wurde: Du darfst nur so viel geben, wie der andere in der Lage ist zurückzugeben?

Unverständnis
den Medien gegenüber, die es verpasst haben, über die guten Momente zu berichten.

Ich hörte noch auf WERTE
Mauerfall                    
Altes loslassen, Neustart
Wiedervereinigung   Erlaubnis, das Geschenk anzunehmen!

Annegret Chucholowski