Katja Wrobel

Workshop am Sonntag, 10.11.2019, 9.00 - 10.45 Uhr

Eigene Erfahrungen, innere Bilder & blinde Flecken - Auswirkungen einer ost- oder westdeutschen Sozialisation im therapeutischen Prozess

Ein Land ist 1990 von der Landkarte verschwunden und doch noch in Erinnerungen vorhanden... Die Wende hat Spuren hinterlassen in unseren Biografien und soziokulturellen Erfahrungen. Für manche ging das Leben "normal" weiter, bestehende Annahmen behielten ihre Gültigkeit, der eigene Weg konnte fortgesetzt und damit verbundene Privilegien genutzt werden. Andere erlebten Verluste von Bekanntem, das Alte hatte keinen Platz mehr, Leben musste neu gedacht und ein Platz im anderen System gefunden werden. Diese System-Spuren beeinflussten das gesellschaftliches Zusammenleben und Annahmen übereinander und wirken auch heute weiter auf unsere Identität, unser Verständnis von der Welt und somit auch unsere Arbeit im therapeutischen/ beraterischen Kontext.

Im Workshop findet unsere ost- oder westdeutsche Sozialisation Raum. Wir werden reflektieren, ob und wie unsere systemgefärbte Brille die Begleitung unserer Klient*innen im therapeutischen Prozess beeinflussen kann. Macht es einen Unterschied, ob Klient*in und Therapeut*in im gleichen Heimatland aufwuchsen oder nicht? Gibt es Vorannahmen? Blinde Flecken? Ungleichgewichte in einer eigentlich gewünschten Arbeitsbeziehung auf Augenhöhe? Versteckte Ressourcen? Gemeinsame Anknüpfungspunkte?

Praktische Übungen aus der diskriminierungssensitiven Arbeit des Social Justice and Diversity Ansatzes werden kombiniert mit einem systemisch-prozessorientierten Ansatz. Die Reflexion eigener Erfahrungen, ein gemeinsamer Austausch sowie kurze Theorieinputs ermöglichen einen sensitiveren Umgang mit innerdeutschen Themen im therapeutisch/ beraterischen Prozess unabhängig von einer ost- oder westdeutschen Sozialisation.

Vita

Katja Wrobel

  • Dipl.-Psychologin
  • Systemische Psychotherapeutin
  • Systemische Familientherapeutin (DGSF)
  • Systemische Kinder- und Jugendlichentherapeutin (DGSF)
  • Systemische Coachin und Mediatorin (IFM Berlin)
  • Diversity & Social Justice Trainerin (FH Potsdam)

Geboren 1980 in Ostberlin, Kind der Arbeiter*innenklasse, mehr Lebenszeit im vereinten Deutschland verbracht als in Ostdeutschland und über Auslandsdienste Lebensfahrungen in Belgien und Südafrika gesammelt. Während des Studiums u. a. tätig in der Politischen Bildungsarbeit, in der Jugendhilfe, der Familienberatung sowie als Begleiterin für Menschen mit zugeschriebenen Behinderungen. Immer wieder Projektentwicklung, welche Menschen auf Augenhöhe verbinden. Über Umwege systemisch approbiert und damit verbundene Klinikerfahrungen in der Psychosomatik und Psychiatrie. Aktuell Psychotherapeutin in einer Beratungsstelle für (internationale) Studierende mit Einzel-, Paar- und Gruppentherapie.